Am 29.05.26 ist von All Them Witches das siebte Studioalbum mit dem Titel „House Of Mirrors“ erschienen. Seit dem letzten Album sind mehr als fünf Jahre vergangen. Die aus Nashville stammende Band begeistert seit 2012 die Fans mit ihrem Mix aus Psychedelic, Blues und Stoner Rock. Auf ihrer Tour wird die Band diesen Sommer drei Termine in Deutschland spielen.
Alle drei der genannten Rock-Genres stehen eigentlich selten auf meiner Playlist. Doch alleine schon der Name der Band weckte die Neugier des inneren Goths. Und siehe da: Das siebte Studioalbum der US-Amerikaner entpuppt sich als ein faszinierendes, bittersüßes Labyrinth, das erstaunlich gut zu einer tiefschwarzen Seele passen könnte.
Ein Album wie ein dunkles Labyrinth
Red Rocking Chair: Ein sechseinhalbminütiger Ritt, der als düsterer, schwerer Folk-Klassiker beginnt und sich in ein doomiges Soundgewand hüllt. Die Urgewalt erinnert fast an ein schleppendes, morastiges Ritual – ein perfekter Einstieg für alle, die es morbid mögen. Die Streicher tun hier ihr Übriges. Es wird schnell klar, dass der Gitarrist ganz genau weiß, was er da tut. Bei Culling Line regiert eine unterschwellige, hypnotische Spannung. Der Track schleicht sich fast schon post-punkig an, bevor die Gitarrenwände zuschlagen. Auf spektakuläre Gesangseinlagen kann man jedoch lange warten. Es scheint, als stehe bei diesem Song der Gesang deutlich im Hintergrund.
Aethernet: Obwohl der Song anfangs ein wenig nach Country klingt, bringt er eine gewisse eisige Isolation rüber, die man sonst auch aus dem Gothic Rock kennt. Ein schwebender, fast schon sakraler Vibe mit einer betörenden Schwere. Die Gitarrenparts sind hier sehr hervorzuheben. Hold up, say what? ist ein kompakterer, groove-orientierter Track. Für meinen Geschmack etwas zu „brav“, aber der Rhythmus zwingt einen dann doch zum Kopfnicken im Takt.
Einer der ruhigsten Songs auf dem Album ist auf jeden Fall Go-getter. Mit 2 Minuten und 33 Sekunden auch der kürzeste. Der Gesang dümpelt mit Gitarrenbegleitung so vor sich hin. Bei Starting Line gibt es einen genialen Wechsel zwischen leisen, akustischen Momenten und gewaltigen Ausbrüchen. Wenn die Gitarre einsetzt, erinnert das an die majestätische Düsternis von Deep Purple – sehr theatralisch, sehr packend. Es ist auch eine Orgel im Hintergrund zu erahnen, welche den Sound noch fetter macht.
All Them Witches: Zwischen Melancholie und Weite
Turn On The Light: Der Titel verspricht Helligkeit, der Song liefert das Gegenteil. Eine schleppende, psychedelische Messe, die sich wie zäher Nebel im Raum ausbreitet. Trotzdem hat der Song einen gewissen Groove, nicht zuletzt durch den präzise gespielten Bass. Ein wunderschön melancholischer Track ist Angel On The Wayside, der trotzdem fetzig ist. Im Song bekommt die Gitarre hier ihren großen Auftritt und liefert dementsprechend ab. Perfekte Spieltechnik ist hier zu hören.
Ein wunderschönes Piano-Intro hat The Welterweight. Musikalisch fast schon dramatisch und textlich eine Hymne für die Underdogs, die immer wieder aufstehen. Die Atmosphäre ist dicht, staubig und von einer greifbaren Melancholie durchzogen. Ein Song, um die Augen zu schließen und zu genießen. Das Finale gibt es mit dem Saturn Song. Ein kosmischer, schwereloser Ausklang, der uns endgültig in die Dunkelheit des Raums entlässt. Einnehmend, hypnotisch und beruhigend düster.

Selina Dreher
Selina Fotografin und Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Sie dokumentiert die dunkle Szene – von Gothic-Rock bis NDH. Selina versteht es, Live-Momente authentisch und leidenschaftlich einzufangen und verbindet visuelle Ästhetik mit fundierter Berichterstattung über die Facetten der schwarzen Szene.

