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Annisokay setzen den Punkt: „Abyss – The Final Chapter“ entfesselt das volle Metalcore-Spektrum“

Annisokay Abyss Part III, Albumreview, Paranoyd Magazin

Mit Abyss – The Final Chapter (VÖ: 21.10.25) zieht Annisokay einen kraftvollen Schlussstrich unter ihre „Abyss“-Trilogie – und liefert ein Album, das gleichermaßen emotional und explosiv ist. Die am 21. November 2025 erscheinende Platte rundet die geschichtliche und klangliche Entwicklung ab, die mit Abyss Pt. I (2023) begann und in Abyss Pt. II (2025) weitergeführt wurde.

Musikalisch bleibt Annisokay ihrer Metalcore-Wurzel treu, fügen aber durchgehend melodische Elemente hinzu, die dem Album Tiefe und Dynamik verleihen. Die Band streut atmosphärische Passagen zwischen härteren Riffs und intensiven Breakdowns. Der Sound wirkt reifer und ausgefeilter. Es ist, als habe man jeden Konflikt, jede Emotion bewusst in Klang übersetzt.

Tracks wie „Inner Sanctum“ (ursprünglich von Abyss Pt. II) bieten dichten Sound und thematische Intensität: sie sprechen von innerer Zerrissenheit, von Widerstandskraft und verletzlichen Momenten. Der Aufbau zwischen Lyrik, rhythmischem Druck und melodischem Refrain zeigt, dass Annisokay nicht nur technisch, sondern auch emotional gewachsen sind.

Thematisierung des Albums

Thematisch setzt das Album erneut auf Reflexion, Schmerz und Erlösung. Titel wie „Splinters“, „Calamity“ oder „Into the Abyss“ deuten auf Brüche und Wiederaufbau hin. Der Song „Splinters“, ausgespielt als Vorbote des Albums, ist eine eindringliche Hymne voller Herzschmerz und Trotz. Gleichzeitig geht das Album über persönliche Kämpfe hinaus, es ist fast wie ein kollektiver Prozess des Loslassens.

Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt in der Tracklist: Es finden sich aggressive Metalcore-Parts, aber auch melodisch sanfte Melodien, cleane Vocals, gelegentlich Features (z. B. bei „H.A.T.E.“ mit Any Given Day) – das Ganze wirkt wie das logische und kunstvolle Finale einer großen Geschichte.

Vocals

Der Dual-Vocal-Ansatz von Annisokay war schon immer eine ihrer stärksten Fähigkeiten. Auf The Final Chapter wirkt er ausgereifter denn je. Die klaren Vocals präsentieren sich stabil, emotional, kontrolliert, dabei wieder weniger poppig als man es aus Teilen der Abyss Alben kennt, sondern eher hymnisch und mit einem deutlichen Gespür für Melodieführung. Gerade Fans des klassischen Metalcore dürften die gesteigerte Rohheit in den Shouts genauso zu schätzen wissen wie die melodisch ausgearbeiteten Refrains und Clean-Vocals.

Meine Highlights & Kriterien

Annisokay schafft es, Gefühle und persönliche Erlebnisse so darzustellen, dass sie für viele Menschen nachvollziehbar werden. Die Band verbindet eingängige Melodien mit härteren, kraftvollen Momenten und sorgt damit für viel Abwechslung im Sound. Besonders auffällig ist die sehr saubere Produktion: Jeder Song klingt klar und durchdacht, ohne dass die Musik ihren rauen und ehrlichen Charakter verliert.

Einige Elemente wiederholen sich jedoch strukturell, insbesondere der Wechsel aus ruhiger Strophe und hymnischem Refrain. Das gehört zwar zum Markenkern moderner Metalcore-Produktionen, führt aber dazu, dass manche Songs weniger herausstechen. Zudem ist die Tracklist durchaus umfangreich. Wer das Album am Stück hört, könnte gegen Ende leichte Ermüdungserscheinungen verspüren. Dennoch bleibt das Niveau hoch und die Band überzeugt insgesamt mit einem klaren künstlerischen Statement.

Abyss – The Final Chapter

Annisokay
Abyss – The Final Chapter
Paranoyd album-check: 8,5/10
Mit Abyss – The Final Chapter liefert Annisokay nicht nur ein würdiges Finale ihrer „Abyss“-Saga, sondern auch ein musikalisch überzeugendes Album mit Herz, Härte und Handwerk. Annisokay zeigen, dass sie sich nicht nur in der europäischen Metalcore-Landschaft etabliert haben, sondern ambitioniert genug sind, international mitzuspielen. Es ist ein Werk, das sowohl langjährige Fans als auch Neulinge anspricht: emotional, kraftvoll und reflektiert. Die Band zeigt eindrucksvoll, dass sie sich weiterentwickelt hat, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.


Arising Empire
21. November 2025
8.5

Berichtet für das Paranoyd Magazin über Konzerte, Festivals und Reviews – ehrlich, kritisch und mit viel Leidenschaft.

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